Jetzt sind wir schon das dritte Mal von uns zu Sassi’s Baum gewandert. Für mich ist es tatsächlich die einzige Möglichkeit, mich an diesem Tag dem Friedwald zu nähern. Ich brauche Zeit, um mich mit den Erinnerungen auseinander zu setzen, die mich besonders an diesem Tag überfluten. Oft habe ich das Gefühl, dass ich den Verlust meiner Tochter unerträglich finde. Insbesondere so einen Tag kann ich dann nur mit Hilfe von Anderen einigermaßen überstehen. Die vielen Kilometer sind gut, um immer wieder mit allen ins Gespräch zu kommen, den Hunden beim Toben zuzugucken und auch zwischendurch für mich alleine zu gehen. Gut ist auch, dass ich die Tage vorher so eingespannt bin in die Vorbereitungen (Picknick und für abends ein warmes Abendessen für alle).
Diesmal hatten wir Glück mit dem Wetter. Am Samstag schien die Sonne und es war die ganze Zeit warm. Wir sind bei uns in Geismar gestartet, Richtung Bismarckturm.




Die ganze Zeit durch den Wald, einmal mussten wir die Bundesstraße überqueren, ansonsten waren wir meistens für uns. Der Anstieg nach Nikoausberg hoch war ziemlich steil, aber oben angekommen gab es erst mal das Picknick.




Dieser Teil der Strecke war für uns neu und ich musste mich auf die Wege konzentrieren und war dadurch etwas abgelenkt. Gut so! Die letzten Kilometer dagegen, können Jens und ich schon fast im Schlaf gehen.

Ich bin froh, dass Sassi nicht auf einem Friedhof liegt, sondern im Friedwald. Es ist ein schöner und friedvoller Wald, unser Baum steht etwas versteckt, so dass wir dort immer für uns sein können. Ich hasse es, meine Trauer mit der Öffentlichkeit zu teilen. Außerdem gelingt es mir dort eher, zu verdrängen, dass sie tatsächlich nicht wieder kommt. Auf den Friedhof geht man ja nur aus einem Grund, der Wald bietet da deutlich mehr Möglichkeiten. Albern, aber manchmal hilft es, durch den Tag zu kommen.
Sassi’s Freundin Leonie hat Querflöte gespielt „See you again“ und alle haben Blätter verteilt und Wunderkerzen angezündet. Es war sehr stimmungsvoll und berührend.



Abends haben wir mit allen, die mitgewandert sind und noch einigen Nachzüglern bei uns gesessen und gegessen. Um Mitternacht haben wir Jens zu seinem Geburtstag gratuliert. Was für eine schreckliche Verbindung zweier bedeutender Tage!


